
Rosenplatz
„Woas de Aage näid sähn, deud em Harz näid wäi.“
Die Geschichte der jüdischen Gemeinde in Allendorf an der Lumda reicht bis in das 17. Jahrhundert zurück. Der erste urkundliche Nachweis jüdischer Einwohner in der Kernstadt stammt aus dem Jahr 1627. Vermutlich gab es jedoch schon weit vorher Juden in Allendorf. Im Laufe des 18. und 19. Jahrhunderts entwickelte sich eine lebendige Gemeinde, deren Mitglieder das wirtschaftliche und gesellschaftliche Leben der Stadt wesentlich mitprägten. Viele jüdische Familien waren im Vieh- und Kleinhandel tätig und übernahmen eine wichtige Vermittlerrolle zwischen Landwirtschaft und regionalen Märkten.
Im Jahr 1828 lebten 65 jüdische Einwohner in Allendorf, 1910 waren es 73 und 1933 noch 61. Zentrum des religiösen Lebens war die Synagoge in der Nordecker Straße. Hier fanden Gottesdienste an Sabbaten und Feiertagen statt, außerdem befanden sich im Gebäude eine Religionsschule und das rituelle Judenbad (Mikwe). Zum Gemeindeleben gehörten zahlreiche religiöse Traditionen und Bräuche, die den Alltag prägten. Gleichzeitig waren jüdische Bürger vielfach in Vereinen engagiert und Teil des gesellschaftlichen Lebens. Fotografien und Quellen belegen ihre Mitgliedschaft im örtlichen Gesangverein ebenso wie ihre Teilnahme am wirtschaftlichen und öffentlichen Leben der Stadt.

Hans Strauß flüchtete als Jude vor den Nazis und kam 1945 als Oberfeldwebel der US-Army zurück in seinen Heimatort Nordeck.

Ehemalige Synagoge in der Nordecker Straße, Foto aus den 1980er Jahren.
Mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten am 30. Januar 1933 begann die systematische Ausgrenzung der jüdischen Bevölkerung. Boykotte, Berufsverbote und der Ausschluss aus Vereinen zerstörten ihre wirtschaftliche Existenz. Während der Novemberpogrome 1938 wurden auch in Allendorf Wohnungen und die Synagoge verwüstet. Zahlreiche Zeitzeugen berichten von den Übergriffen sowie von einzelnen Bürgern, die den Verfolgten trotz großer persönlicher Gefahr halfen. Im Herbst 1942 wurden die letzten jüdischen Einwohner aus Allendorf deportiert.
Von den 61 nach 1933 registrierten jüdischen Bürgern werden 47 als Opfer des Nationalsozialismus durch das Bundesarchiv und die Gedenkstätte Yad Vashem geführt. Heute erinnern der jüdische Friedhof, die ehemalige Synagoge und der Gedenkplatz in der Treiser Straße an die jahrhundertelange Geschichte der jüdischen Gemeinde und mahnen, Ausgrenzung und Antisemitismus entschieden entgegenzutreten.
Ein Zeitzeuge der Pogrome vom November 1938 berichtete:

Der Heimat- und Verkehrsverein Allendorf errichtete im Juli 1988 zur 1200-Jahr-Feier der Ersterwähnung ein Mahnmal auf dem jüdischen Friedhof. v.r.n.l. Rabbiner Amnon Orbach, Walter Deissmann, Vizepräsidentin des Hessischen Landtags Ruth Wagner, Pfarrer Kurt Willner.
Damit war der Verein die erste Initiative der Stadt, die dem Schicksal der Juden in Allendorf gedachte.
Annette Bergen-Krause: Der Rosenplatz
Allendorf hat eine reiche und bewegte jüdische Geschichte. In der NS-Zeit wurden die jüdischen Bürgerinnen und Bürger von Allendorf schikaniert, vertrieben und ermordet. Der Rosenplatz in der Treiser Straße erinnert an ihr Schicksal. Für Annette Bergen-Krause gehört dieser Teil der Vergangenheit zur Geschichte Allendorfs.
An diesem Ort
Hier stand bis 1966/67 das Haus der Familie Rosengarten. Sie lebten in der Treiser Straße Nr. 17 in einem kleinen Fachwerkhaus bis 1942. Damals wurden sie von Angehörigen der SS (Schutzstaffel) aufgegriffen, deportiert und im Vernichtungslager Treblinka ermordet. 1966 sollte das Haus nach zwischenzeitlicher Nachnutzung einem breiteren Straßenausbau weichen. Doch daraus wurde nichts.
2014 beschloss die Gemeinde auf Initiative einer Bürgergruppe die Anlage in der heutigen Form mit den Stelen. Der Platz erinnert an die jüdischen Opfer der nationalsozialistischen Verfolgung und Ermordung in Allendorf.

Ehemaliges Wohnhaus der Familie Rosengarten, Anfang der 1960er Jahre.

