
Bahnhof
„Droo ean defoo.“ Dran und davon, los gehts.“
Mit dem Bau der Lumdatalbahn erhielt Allendorf zu Beginn des 20. Jahrhunderts Anschluss an das überregionale Eisenbahnnetz. Bereits seit den 1880er Jahren hatten sich Gemeinden des Lumdatals für eine Bahnverbindung eingesetzt. Sie sollte Handel und Gewerbe stärken, Bodenschätze wie Basalt, Eisenerz und Holz leichter transportieren sowie neue Arbeitsplätze schaffen. Nach langen Planungen wurde zunächst 1896 die Strecke Grünberg–Londorf eröffnet. Am 1. Juni 1902 folgte schließlich der Lückenschluss von Londorf über Allendorf nach Lollar. Damit war das Lumdatal durchgehend per Bahn erreichbar.
Der Bahnhof Allendorf entwickelte sich rasch zu einem wichtigen Verkehrsknoten. Neben dem Personenverkehr spielte vor allem der Gütertransport eine große Rolle. Basalt aus den umliegenden Steinbrüchen Eisenerz, Quarzit aber auch Holz und landwirtschaftliche Erzeugnisse wurden über die Bahn in alle Teile Deutschlands transportiert. Gleichzeitig erleichterte die Bahn den Menschen den Weg zur Arbeit, zur Schule und in die Städte Gießen oder Grünberg. Sie trug entscheidend zum wirtschaftlichen Aufschwung des Lumdatals bei.

Bau der Eisenbahn bei der Gleisbrücke Londorf 1910.

Sonderfahrt auf den Gleisen der Lumdatalbahn.
Während des Zweiten Weltkriegs blieb die Strecke zunächst weitgehend in Betrieb, wurde jedoch 1944 Ziel eines Luftangriffs, bei dem zahlreiche Reisende ums Leben kamen. Nach Kriegsende nahm die Bahn ihren Betrieb wieder auf und blieb zunächst ein wichtiges Verkehrsmittel. Mit dem zunehmenden Autoverkehr und dem Ausbau des Busnetzes ging die Zahl der Fahrgäste jedoch stetig zurück. Schrittweise wurden Bahnhöfe vereinfacht, Gleise zurückgebaut und der Personenverkehr eingeschränkt.
Am 30. Mai 1981 fuhr der letzte planmäßige Personenzug durch das Lumdatal. Heute erinnern die erhaltenen Bahnhofsgebäude, Dämme und Brücken an eine Zeit, in der die Eisenbahn das wirtschaftliche Leben der Region nachhaltig prägte. Seit den 2010er Jahren gibt es Bemühungen, die Lumdatalbahn zu reaktivieren.
An diesem Ort
Der Allendorfer Bahnhof wurde 1902 mit der Eröffnung der Strecke Lollar–Londorf erbaut. Das Empfangsgebäude entstand im für die Jahrhundertwende typischen Stil auf einem T-förmigen Grundriss und besteht aus dekorativem zweifarbigem Ziegelmauerwerk. Auffällig sind die symmetrische Straßenfassade, die segmentbogigen Fenster sowie die Zierfriese und Schmuckbänder, die dem Gebäude sein charakteristisches Aussehen verleihen.
Bereits damals gab es eine Bahnhofsgaststätte, in der sich Reisende erfrischen konnten. Mit der Zeit entwickelte sich diese zu einem gefragten Treffpunkt für die Allendorfer. Zeitweise befand sich hier eine der angesagtesten Bars der Region.

Postkarte der Gaststätte zum Bahnhof, ca. 1920.
Gerda Fibikar: Die legendäre Tanzbar
Die Tanzbar in Allendorf war ein legendärer Ort. Hier trafen sich in den 1960er Jahren die Jugendlichen und jungen Erwachsenen der Stadt. Das Tanzbein wurde geschwungen bis in die Morgenstunden. Für Gerda Fibikar war die Bar etwas ganz Besonderes. Sie bedeutete ein kleines Stück Abenteuer.

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