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Lindengasse,
Bleichstraße und
Rahmengasse

„Wer sei Brot met Fleiß verdeent, dem schmeckts doppelt gut.“

Backhäuser gehörten über Jahrhunderte zum festen Bestandteil nahezu jedes Dorfes in Oberhessen. Bäckereien im heutigen Sinn gab es nicht, weshalb das Brot gemeinschaftlich in den gemeindeeigenen oder genossenschaftlich organisierten Backhäusern hergestellt wurde.

 

Die Nutzung der Backhäuser war genau geregelt, vor allem die Reihenfolge der Benutzung. Diese wurde ausgelost. Besonders unbeliebt war das Anheizen als erster Nutzer. Denn dafür musste besonders viel Reisig mitgebracht werden. Das älteste bekannte Backhaus der Kernstadt stand in der damaligen Londorfer Straße und wurde 1817 von 22 Männern errichtet. Ende des 19. Jahrhunderts bestanden mehrere Backhausgesellschaften mit eigenen Satzungen. Diese regelten Mitgliedschaft, Rechte und Pflichten sowie die Organisation der Backtage. Noch heute sind in Allendorf drei historische Backhäuser erhalten – in der Linden-, Schul- und Kirchstraße.


Das Backhaus Untertor in der Lindengasse nimmt dabei eine besondere Stellung ein. Ursprünglich stand es bis 1924 in der damaligen Untertorstraße (heute Treiser Straße). Wegen einer Änderung der Verkehrsführung musste das Gebäude abgebrochen werden und entstand anschließend an seinem heutigen Standort in der Lindengasse neu. Sein hundertjähriges Bestehen wurde 2025 mit einem großen Backhausfest gefeiert.

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Margarete Haberkorn backte im Backhaus regelmäßig Brote und Lohkuchen, Foto aus den 1970er Jahren.

Gerda Fibikar: Lohkuchen

Für die Allendorfer ist der Lohkuchen heilig. Er ist eine Delikatesse des Lumdatals. Gerda Fibikar erinnert sich noch gut daran, wie er früher häufig nach dem Brot in den Backhäusern der Stadt gebacken wurde. Das Rezept hat sie im Kopf - allerdings nur "auf Platt".

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Nicht jede Familie konnte sich Pferdegespanne leisten. Verbreitet waren auch Kuhgespanne in Allendorf, wie mit einem angehängten Jauchefass, Foto ca. 1933.

Das Leben in Allendorf war bis weit in das 20. Jahrhundert hinein von der Landwirtschaft geprägt. Die meisten Familien, so wie hier in der Unterstadt, bewirtschafteten kleine Höfe oder besaßen zumindest einige Äcker und Vieh. Die Arbeit auf den Feldern bestimmte den Jahreslauf und verlangte den Einsatz der gesamten Familie. Nachbarschaftshilfe war dabei selbstverständlich: Beim Dreschen, Heumachen oder der Ernte unterstützten sich die Dorfbewohner gegenseitig, denn viele Arbeiten konnten nur gemeinsam bewältigt werden.


Die Feldarbeit war mühsam und erfolgte zunächst ausschließlich mit Pferde- oder Kuhgespannen sowie einfachen Handgeräten. Getreide wurde mit Sichel oder Sense geschnitten, zu Garben gebunden und zum Trocknen auf sogenannten „Hausten“ aufgestellt. Erst nach und nach hielten Mähmaschinen, Binder und schließlich der Mähdrescher Einzug.

Im Winter ruhte die Feldarbeit keineswegs. In den Stuben wurden Körbe geflochten, Flachs verarbeitet oder Kleidung genäht. Eine besondere Rolle hatten die Spinnstuben. Hier wurde Wolle gesponnen von den Mädchen und jungen Frauen, während die jungen Männer und mancher Verehrer hinzukamen. Die Spinnstuben waren damit auch eine Art Kontaktbörse.

 

Das Wohnen war einfach gehalten. Mittelpunkt des Hauses war die Stube mit dem großen Ofen, während die Küche lange Zeit vor allem Arbeitsraum war. Viele Häuser waren klein, die Ausstattung schlicht und von der wirtschaftlichen Situation der Familien abhängig. Dennoch prägte Zusammenhalt das tägliche Miteinander. Häufig besuchte man sich, vor allem im Winter, wenn die Arbeit in der Landwirtschaft etwas Zeit übrig ließ. Feste wie Kirmes, Erntedank, Hochzeiten oder Schlachtfeste strukturierten das Jahr ebenso wie kirchliche Feiertage. 

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Dreschtag mit einer dampfgetriebenen Dreschmaschine in der Bahnhofstraße, ca. 1915.

Klaus Peter Wagner: Landwirtschaft

Früher hatte fast jeder Einwohner Allendorfs eine kleine Landwirtschaft. Ein paar Kühe, Schweine, Enten, Gänse oder Schafe ernährten ganze Familien über das Jahr hinweg. Die Feldarbeit regelte den Jahresablauf. Schon als Kind half Klaus Peter Wagner in der Landwirtschaft mit. Seine Leidenschaft für Tiere und Natur ist bis heute geblieben.

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Das Schlachtfest

Wenn in Allendorf geschlachtet wurde, wusste es bald der ganze Ort. Die Hausschlachtung war weit mehr als reine Vorratshaltung – sie war ein gesellschaftliches Ereignis. Der Hausmetzger zog mit seinem umfangreichen Werkzeug von Hof zu Hof, Nachbarn halfen mit, und am Ende versammelte sich die Familie zum traditionellen Schlachtessen mit Wurstsuppe, Wellfleisch, Sauerkraut und Kartoffeln. Verarbeitet wurde nahezu jedes Stück des Schweins, denn Verschwendung konnte sich niemand leisten. Natürlich durfte auch ein „Schlachtschnaps“ nicht fehlen. Kinder hofften auf frische Würstchen, Nachbarn, Freunde und Verwandte bekamen Wurstsuppe vorbeigebracht und mancher Scherz gehörte ebenfalls dazu. Das Schlachtfest verband harte Arbeit, handwerkliches Können und geselliges Beisammensein – ein Stück gelebte Dorfkultur, das heute fast verschwunden ist. Aber ein kleines Gedicht blieb erhalten: „Ich hab gehört, Ihr hätt geschlacht, und hätt so lange Würscht gemacht, gebt mir eine von den langen, die kurzen, die lasst ihr hangen.“

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Hausmetzger bei der Arbeit in einem Hof in der Bleichstraße, Foto ca. 1950.

Gerda Fibikar: Kaffeewurst

Gerda Fibikar erinnert sich noch gut daran, wie Schlachtfeste früher in Allendorf abliefen. Viele Familien hielten sich ein paar Schweine und Kleinvieh, um über das Jahr hinweg mit Fleisch versorgt zu sein. Sie erinnert sich noch gut daran, dass vor allem die sogenannte "Kaffeewurst" eine gefragte Delikatesse war.

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An diesem Ort

Die Rahmengasse gehört zum historischen Ortskern von Allendorf (Lumda). Ihre schmale Führung und die dichte Bebauung erinnern an die über Jahrhunderte gewachsene Struktur der Stadt. Wie viele Gassen der Altstadt war sie Wohn- und Arbeitsort zugleich. Handwerk, Landwirtschaft und das alltägliche Zusammenleben prägten das Straßenbild.

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Bis heute hat sich hier wenig verändert. Viele der Fachwerkhäuser aus dem 18. Jahrhundert sind erhalten geblieben.

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Die Rahmengasse im Schnee. Im Hintergrund das Haus Nr. 7.

Annette Bergen-Krause: Die Rahmengasse

Die Rahmengasse zählt zu den schönsten und ursprünglichsten Straßen in Allendorf. Hier bekommt man noch eine Ahnung davon, wie die Stadt vor Jahrhunderten ausgesehen haben muss: Eine enge Gasse, Fachwerkhäuser und geschäftiges Treiben. Annette Bergen-Krause ist vor vielen Jahren hierher gezogen. Für sie ist die Rahmengasse etwas ganz Besonderes.

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