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Marktstraße
und Künstlerhof

„Woas laang wehrd, werd guud.“

Die Marktstraße ist seit Jahrhunderten das Herz von Allendorf. Hier wurde gehandelt, gefeilscht, erzählt und gefeiert. Wo heute Menschen durch die Altstadt schlendern, reihten sich früher mehrfach pro Jahr Marktstände aneinander. Bauern aus den umliegenden Dörfern brachten Getreide, Vieh, Obst oder Handwerkswaren in die Stadt, Händler boten ihre Waren an und Besucher nutzten die Gelegenheit, Neuigkeiten auszutauschen. 


Mit der Verleihung der Marktrechte im Jahr 1323 und den Stadtrechten im Jahr 1370 entwickelte sich Allendorf zu einem wichtigen Marktort im Lumdatal. Über viele Generationen hinweg bestimmten die Märkte den Jahresrhythmus der Stadt und sorgten für Wohlstand unter den hiesigen Zünften.


Aus dieser langen Tradition entstand der Nikelsmarkt, der bis heute das bekannteste Fest Allendorfs ist. Aus dem einstigen Handelsmarkt entwickelte sich im Laufe der Jahrhunderte ein Volksfest, das Geschichte und Brauchtum miteinander verbindet. Noch heute füllen Marktstände, Fahrgeschäfte, Musik und zahlreiche Besucher die Straßen der Altstadt.

 

Ein besonderer Teil des Nikelsmarktes sind die Allendorfer Marktfrauen, die den traditionellen Bärtzeschnaps ausschenken und mit viel Humor das Marktgeschehen begleiten. Auch die Ernennung des „Bärtzebürgers“ gehört inzwischen fest zu den liebgewonnenen Traditionen.

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Die Marktstraße in den 1970er Jahren. Links erkennt man den Treppenaufgang zum heutigen Künstlerhof. 

An diesem Ort

Die Marktstraße wird bis heute von einer relativ geschlossenen Reihe historischer Fachwerkhäuser geprägt, die überwiegend im 18. Jahrhundert nach den großen Stadtbränden entstanden. Typisch sind ihre massiven Natursteinsockel, kunstvoll verzierte Fachwerkkonstruktionen und die oft über Freitreppen erreichbaren Hauseingänge. Besonders die Häuser Nr. 1, 9, 10 und 12 zeigen eindrucksvoll die Baukunst ihrer Zeit.

 

Das Haus Marktstraße 10 trägt noch heute eine Bauinschrift aus dem Jahr 1729. Viele Gebäude wurden im Laufe der Jahrhunderte verändert und an neue Bedürfnisse angepasst, ohne ihren historischen Charakter zu verlieren. Gemeinsam bilden sie ein nahezu vollständig erhaltenes Ensemble, das anschaulich vermittelt, wie das Zentrum Allendorfs vor rund 300 Jahren ausgesehen hat und warum viele Gebäude in der die Marktstraße heute unter Denkmalschutz stehen.

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Das Gasthaus "Zur Krone" in der Marktstraße, Foto aus den 1940er Jahren.

Klaus Peter Wagner: Kneipen

In Allendorf gab es einst eine große Zahl an Gaststätten, Kneipen und Treffpunkten. Klaus Peter Wagner erinnert sich noch gut an diese Zeit. Überall war etwas los. Die Menschen trafen sich, tauschten Neuigkeiten aus und feierten gemeinsam. Heute sind nicht mehr viele dieser Orte übrig geblieben.

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Der Künstlerhof

Das stattliche Haus in der Marktstraße gehört zu den markantesten Gebäuden der Allendorfer Altstadt. Ursprünglich befand sich hier der Nürnberger Hof, ein recht stattliches Gehöft. Seit 1925 lebte und arbeitete hier der Bildhauer und Maler Wilhelm Heidwolf Arnold (1897–1984). Von diesem Haus aus entstanden zahlreiche Werke, die ihn weit über die Grenzen seiner Heimat hinaus bekannt machten und bis heute das Bild vieler Städte prägen.


Arnold wurde 1897 im benachbarten Beuern als Sohn eines Steinmetzen geboren. Schon als Kind zeigte sich sein außergewöhnliches Talent. Bereits als Vierzehnjähriger erhielt er ein Stipendium des Großherzogs Ernst Ludwig und studierte anschließend in Darmstadt und Offenbach bei bedeutenden Künstlern seiner Zeit. Nach dem Ersten Weltkrieg arbeitete er zunächst als Bildhauer und schuf Ehrenmale, Brunnen und Porträtbüsten. Später wandte er sich verstärkt der Malerei zu, ehe er nach dem Zweiten Weltkrieg zu einer neuen, sehr persönlichen Bildhauerei fand. Seine Arbeiten zeichnen sich durch klare Formen, eine reduzierte Gestaltung und eine starke Ausdruckskraft aus. Arnold selbst sagte einmal, er habe nie versucht, Vorbilder nachzuahmen, sondern immer seinen eigenen Stil gesucht.


Besonders bekannt wurde W. H. Arnold durch seine Brunnenanlagen und Plastiken. Der Löwenbrunnen in Gießen, der Schwälmer Brunnen in Alsfeld oder das Weisheitsbrünnchen in Allendorf zeigen seine Fähigkeit, Architektur, Landschaft und Figuren zu einem harmonischen Ganzen zu verbinden. Auch zahlreiche Ehrenmale, Porträts und Kleinplastiken stammen aus seiner Werkstatt.


Allendorf brachte im 20. Jahrhundert mehrere Künstler hervor, die weit über die Region hinaus wirkten. Der Kunsthistoriker Hans Eckstein setzte sich als Architektur- und Kunstkritiker für das moderne Bauen ein und prägte den Wiederaufbau der „Neuen Sammlung“ in München. Der Restaurator Karl Faulstich bewahrte historische Kunstwerke und Kirchenmalereien in ganz Hessen vor dem Verfall. Der Schauspieler Willy Leyrer aus Climbach wirkte als Schauspieler in zahlreichen Film- und Theaterproduktionen der Nachkriegszeit mit (So weit die Füße tragen, 1959). Gemeinsam mit W. H. Arnold stehen sie beispielhaft für die bemerkenswerte kulturelle Ausstrahlung einer kleinen Stadt, deren künstlerisches Erbe bis heute sichtbar ist.

Brunhilde Trenz: Der Künstlerhof

Die berühmten Bewohner des Künstlerhofs waren nicht unbedingt in den Alltag von Allendorf integriert. Man begegnete Wilhelm Heidwolf Arnold nur selten auf der Straße, erinnert sich Brunhilde Trenz.

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An diesem Ort

Das stattliche Eckhaus an der Marktstraße/Rheingasse entstand vermutlich bereits Ende des 18. Jahrhunderts und zählt zu den bedeutendsten Wohnhäusern der Allendorfer Altstadt. Seine klassizistische Fassade mit dem großen Rundbogenportal, der repräsentativen Freitreppe aus Naturstein und dem breiten Zwerchhaus prägt bis heute das Straßenbild und unterscheidet sich von den sonst üblichen Fachwerkhäusern.

 

Im 19. Jahrhundert erhielt das Gebäude seine neoklassizistische Umgestaltung. Seit 1925 lebte und arbeitete hier der Bildhauer und Maler W. H. Arnold, dessen Brunnen, Ehrenmale und Plastiken weit über Hessen hinaus bekannt wurden. Heute trägt das Gebäude den Namen „Künstlerhof“. So erinnert das Haus an einen der bedeutendsten Künstler Allendorfs und ist als Kulturdenkmal von besonderer geschichtlicher und künstlerischer Bedeutung.

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Wilhelm Heidwolf Arnold war weit über die Grenzen Allendorfs hinaus bekannt für seine Kunst. Er lebte und arbeitete in der Marktstraße 7.

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